Die Monster der IT

Du arbeitest in der IT? Dann hast du unser volles Mitgefühl, denn du hast es wahrlich nicht leicht: Oftmals wirst du wie ein Werkzeug behandelt. Liegt ein Notfall vor, wirst du aktiviert, sollst sofort zur Höchstform auflaufen und das eine oder andere Wunder vollbringen. Nebenbei musst du noch naive Fragen beantworten und dir vermeintlich schlaue Ratschläge anhören.

Oftmals hilft hier nur das altbewährte Motto „nicken, lächeln ...“. Nun ja. Blicken wir den Tatsachen doch ins Auge: wer in der IT arbeitet, kämpft tagtäglich gegen echte Monster.

Da wäre die Schatten-IT, die beharrlich an der eigentlichen IT des Unternehmens vorbei arbeitet. Der Analog-Boss verwaltet seine Kontakte immer noch mit Karteikarten, aber die Digitalisierung soll trotzdem vorangetrieben werden. Und damit am Ende nicht das Monster Burn-out die Kontrolle übernimmt und dich lahmlegt, stellen wir dir hier nicht nur die Monster der IT vor, sondern haben auch ein paar Tipps zu ihrer Bekämpfung parat.

Du arbeitest in der IT?

Die Digitalisierung

 

Das Monster: Digitalisierung

Schattenhaft geistert die Digitalisierung durch die Vorstandsetagen und flüstert den CEOs leise zu, was sie angeblich alles kann. Sie zeigt sich gerne als eierlegende Wollmilchsau auf bunten Folien und in Diskussionen in Management-Runden. Die Unternehmensführung ist trotzdem komplett aus dem Häuschen. Ihrer Ansicht kann die Digitalisierung alles: Gewinne steigern, Kosten senken, Weltfrieden schaffen. Und so lacht die Digitalisierung ob Ihrer nebulösen Versprechen und freut sich darauf, sinnlos Kosten zu verschlingen.

 

Gefährliche Superkraft: Vagheit

Die Digitalisierung zieht ihre Power besonders gerne aus sinnlosen Buzzwords, die durch das Web geistern und keine wirkliche Aussagekraft haben, aber gut klingen. Doch die Vagheit führt nur zu rausgeschmissenem Geld und verfehlter Zielerreichung.

 

So besiegst du das Monster: Konkrete Maßnahmen

  • Initiative: Zähme die Digitalisierung und moderiere ihre Einführung ins Unternehmen; zeige anhand von Benchmarks und Projekten Zusammenhänge auf, starte mit Pilotprojekten und skaliere später.
  • Inception: Pflanze deine Ideen in den Kopf deines Chefs ein, sodass er sie für seine eigenen hält und erfreut genehmigt.
  • Investment: Lasse dir die Budgets freigeben, indem du unternehmerisch denkst; verbünde dich mit der gezähmten Digitalisierung und den Finanzern und beeindrucke deinen Chef mit „strategischen Investitionen“ und „datengetriebenem Business“.
 

Geheimwaffe:

Wissen ist Macht! Du musst das Monster mit seinen eigenen Waffen schlagen und seine blumigen Buzzwords zerpflücken– informiere dich also über alle Themen, die mit der Digitalisierung von Geschäftsprozessen zu tun haben.


Das unkontrollierte Wachstum

Das Monster: Unkontrolliertes Wachstum
 

Das Monster: Unkontrolliertes Wachstum

Dieses Monster ist ein wahrer Wirbelwind und kann das Unternehmen und vor allem Start-ups ganz schön aus dem Gleichgewicht bringen. Gerne schlägt es zu, wenn du am wenigsten damit rechnest. Der CEO will mehr Unternehmenswachstum, das Start-up explodiert plötzlich – und nun fehlen Strategie und klare Ziele: Mehr Umsatz, neue Standorte, weitere Märkte erschließen? Und während alle fieberhaft mit unabgestimmten Maßnahmen hektisch am Wachstum arbeiten, lacht sich das Monster scheckig.

 

Gefährliche Superkraft: Supersprung

Langsam kann das unkontrollierte Wachstum nicht. Wie Super Mario auf Pilzen springt es schnell in nicht sichtbare Höhen und fordert Ziele ein, die Chefs träumen lassen, aber so schnell nicht erreichbar sind.

 

So besiegst du das Monster: In der Ruhe liegt die Kraft!

Übe dich in weiser Voraussicht: Sprunghaftes Wachstum solltest du gerade bei Start-ups einplanen – nimm dir Zeit, um alle möglichen Szenarien durchzuspielen und Vorbereitungen zu treffen.
Hole deinen Chef auf den Boden der Tatsachen zurück: Auch wenn der Boss im Freudentaumel und mit glitzernden Augen durchs Büro hetzt, fordere die Zeit für die Besprechung der konkreten Ziele ein und mache ihm klar, dass ein kontrolliertes und zielgerichtetes Wachstum möglich ist. Achtung, Falle: Ein Halbjahresplan reicht nicht aus, um ein organisches Wachstum zu ermöglichen; lasse dich nicht mit zu kurzfristig gedachten Plänen abspeisen.

 

Geheimwaffe:

vCloud-Speicherlösungen sind bestens auf sprunghaftes Wachstum eingestellt – und Tipps von erfolgreichen Unternehmern können auch nicht schaden.


Der Chef ohne digitale Kompetenz

Das Monster: Analog-Boss
 

Das Monster: Analog-Boss

Das Internet wird doch total überbewertet, auf Facebook tummeln sich nur gestörte Narzissten und eine Cloud ist, wenn es in England regnet. Von datengetriebenem Business, mobilen Arbeitsplätzen und weiteren Themen hält dein Chef zwar eher wenig, sich aber leider nicht raus. Er will die Entscheidungen treffen und weiter als starker Unternehmensleiter dastehen – koste es, was wolle.

 

Gefährliche Superkraft: Ignoranz

Dein Chef hat keine Ahnung von IT-Themen und kann mit dem Vokabular nichts anfangen. Deshalb blockt er Erklärversuche direkt ab oder tut nur so, als würde er es verstehen und wichtige IT-Entscheidungen werden entweder nicht oder falsch getroffen. Jedenfalls meistens ohne dich.

 

So besiegst du das Monster: Ansprechende Aufbereitung

  • Viele viele bunte ... Bildchen: Chefs haben wenig Zeit - visualisiere Daten und Zusammenhänge, um Wissen rasch zu vermitteln. Nimm notfalls Nachhilfe bei deinen Marketing-Kollegen, die kennen sich damit bestens aus.
  • Storytelling: „Erzähle“ deinem Chef von Best Practices und Erfolgsgeschichten aus anderen Unternehmen und wecke seinen Ehrgeiz – was euer Wettbewerber kann, könnt ihr doch auch!
  • Think like a boss: Wenn Maßnahmen überzeugen sollen, müssen sie ganzheitlich betrachtet werden und dem Unternehmensziel dienen. Nur so bekommst du die Freigabe vom Chef - und dein Stück vom Kuchen!
 

Geheimwaffe:

Punkte mit Erfolgsgeschichten anderer Unternehmer und lerne von anderen IT-Experten.


Die Schatten-IT

 

Das Monster: Schatten-IT

Screenshot-Tools, Musicplayer, Chat-Dienste oder andere Software: All das findet sich auf den Rechnern der Schatten-IT. Dabei schert sich das Monster nicht um Sicherheitslücken oder ähnliche Kleinigkeiten. Viren und Co.? Sind diesem Monster echt egal. Es besteht auf seine gewohnten Anwendungen und will nicht davon ablassen. Ausgestattet mit Raffinesse und dem perfekten „Ich-war-das-nicht“-Gesichtsausdruck schleicht es sich an der echten IT vorbei und installiert munter seine Lieblings-Dienste.

 

Gefährliche Superkraft: Heimliche Installation

Für Softwarefragen wird nicht die IT konsultiert, sondern eine eigene Lösung gesucht und dann im Stealth-Modus auf dem eigenen Rechner installiert.

 

So besiegst du das Monster: Nachvollziehbarer Wandel

  • Appelliere an sein Verständnis: Erkläre den Mitarbeitern, wie viel leichter ihr Arbeitsleben wird, wenn du einheitliche Dienste implementierst – und mache das an Beispielen deutlich.
  • Sei das Doktor-Sommer-Team der IT: Kläre deine Kollegen auf und weise deutlich auf die Gefahren und besonders auf die Konsequenzen hin, die nicht genehmigte Software haben kann.
  • Ziehe am längeren Hebel: Denn da sitzt du in diesem Fall – wenn es sein muss, darfst nur du die Rechte zur Installation von Software haben.
 

Geheimwaffe:

Erschrecke das Monster mit fiesen Statistiken.


Die Destabilisierung

 

Das Monster: Destabilisierung

Das Unternehmen besteht seit 50 Jahren, die Prozesse seit 49 Jahren, 11 Monaten und 30 Tagen. Ein echtes Fest für die Destabilisierung! Egal ob Digitalisierung oder Schatten-IT: Der immer schneller werdende Wandel bricht die eingefahrenen Prozesse auf und verlangt nach neuen Strukturen. Auch Start-ups kämpfen quasi mit der Gründung gegen dieses Monster, das die Aufbruchsstimmung zu Beginn ausnutzt, um sich auszubreiten und teilweise auf Jahre festzusetzen. Zurück lässt die Destabilisierung verwirrte Mitarbeiter ohne Zuständigkeiten und führt so zu erhöhten Kosten.

 

Gefährliche Superkraft: Chaos

Ian Malcolm wäre stolz auf die Superkraft dieses Monsters: Es stürzt Unternehmen in unfassbar chaotische Zustände, weil es die bestehenden Prozesse aufreißt oder erst gar keine entstehen lässt und Parallelwelten erschafft.

 

So besiegst du das Monster: Optimierte Prozesse

  • Führe agile Arbeitsmethoden ein: Setze auf schnell reagierende Teams und agile Entwicklungsmethoden; das steigert die Transparenz und minimiert Risiken erheblich. Ein guter Partner dafür ist die HR-Abteilung.
  • Sorge dafür, dass die linke Hand weiß, was die rechte Hand gerade macht – und umgekehrt: Alle Abteilungen sollten ihren genauen Platz im Unternehmen kennen und zusammenarbeiten. Auch hier kann dich die HR-Abteilung unterstützen.
  • Weise Voraussicht: Erstelle einen Innovationsplan, der destabilisierenden Umständen keine Chance lässt.
 

Geheimwaffe:

Nutze den Überraschungseffekt der Kreativität.


Die Generation Y

Das Monster: Generation Y
 

Das Monster: Generation Y

Zuerst sind es nur zwei bis drei dieser Sorte, aber dieses Monster vermehrt sich rapide in praktisch allen Unternehmen. Jung und hungrig sind sie, für superclever halten sie sich, verkrustete Strukturen und eingefahrene Prozesse sind ihnen ein Graus. Sie möchten neue Wege gehen und haben teilweise echte Anpassungsprobleme. Sie kommen daher super mit der Schatten-IT und Destabilisierung klar. Wenn dieses Trio erst mal loslegt, hast du richtig Spaß!

 

Gefährliche Superkraft: Natürliches Wissen

Generation Y hat einen großen Vorsprung, wenn es um technisches Wissen geht. Sie mussten nichts wirklich lernen, sondern sind als digital natives natürlich damit aufgewachsen. Sie setzen dieses Wissen ein, um die IT-Prozesse nach ihren Wünschen aufzusetzen.

 

So besiegst du das Monster: Ehrliche Integration

  • Sicherheit bis ins letzte Büro: Bringe dich bei IT-Themen auch in den Fachabteilungen ein.
  • Verbrüderung: Beziehe die Mitarbeiter aus der Generation Y in deine Arbeit ein und mache sie zu deinen Verbündeten.
  • Gib Leitlinien vor: Biete Strukturen, die deinem Anspruch gerecht werden und die gleichzeitig ein agileres Arbeiten ermöglichen.

Das Burnout

Das Monster: Burnout
 

Das Monster: Burnout

In der einen Sekunde sitzt man noch tippend an der Tastatur, in der nächsten hat das Monster zugeschlagen: Burnout. Bäm! Besonders in deinem IT-Job ist dieses Monster allgegenwärtig. Probleme tauchen plötzlich auf und müssen dann aber auch ratzfatz erledigt werden. Da freut sich das Monster, denn einen geschwächten IT-ler kann es leichter erlegen. Es ist unheimlich fies und sehr mächtig.

 

Gefährliche Superkraft: Anschleichen

Das Monster Burnout geht äußerst heimtückisch vor: Langsam schleicht es sich an, sorgt vielleicht erst nur für schlechten Schlaf, Lustlosigkeit und miese Laune. Nach und nach dringt es aber in immer mehr deiner Lebensbereiche ein und schlägt schließlich zu.

 

So besiegst du das Monster: Funktionierende Work-Life-Balance

  • Sorge für ausreichende Ressourcen in deiner Abteilung: IT ist keine One-Man-Show – auch wenn du am liebsten den ganzen Laden alleine schmeißen würdest, du brauchst Kollegen und Kolleginnen, die dich unterstützen und vertreten können, so dass du deinen wohlverdienten Urlaub nehmen kannst.
  • Apropos Urlaub - es gibt ein Leben da draußen: Familie, Freunde, ein Haustier, Sport oder was auch immer – die Arbeit ist definitiv nicht alles. Suche dir einen Ausgleich im Privatleben, der dir Kraft und Freude gibt.
  • Mache deine Arbeit transparent – und sag auch mal „nein“: Erzähle Kollegen und Chef von deinen Leistungen, anstatt immer nur Tickets zu öffnen, zu lösen und zu schließen. Und traue dich, Aufgaben auch mal abzulehnen.